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Deutsche Elite-Unis

In diesen Tagen sind die Rektoren deutscher Universitäten wieder sehr nervös. Zum zweiten Mal läuft der Countdown für die Eliteauswahl. In einem sogenannten Exzellenz-Wettbewerb sollen die besten deutschen Hochschulen gekürt werden. Sie bekommen dann aus einem Sondertopf des Bundes zweistellige Millionenbeträge, um zu „international sichtbaren Leuchttürmen“ zu werden, wie es in den offiziellen Papieren heißt.

Insgesamt sollen knapp 2 Milliarden Euro in eine Handvoll deutscher Universitäten gepumpt werden. Bereits ausgewählt sind bis heute die beiden Münchener Universitäten sowie die Technische Hochschule in Karlsruhe. In der zweiten Runde machen sich nun noch acht Bewerber Hoffnungen, Mitte Oktober unter die Top-Unis und damit an die üppigen Fördergelder zu kommen: Die Freie Universität und die Humboldt-Universität aus Berlin, die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen, die Universitäten in Heidelberg, Freiburg und Konstanz sowie die Universität Göttingen und die Ruhr-Universität Bochum.

Der Wettbewerb um die Elite-Millionen hat von Anfang an heftige Reaktionen ausgelöst. Vorgeschlagen von Gerhard Schröders rot-grüner Bundesregierung („Elite-Hochschulen wie Harvard“), erregten sich ausgerechnet die konservativen Parteien CDU und CSU sowie die Bundesländer, dass der Status einer Elite-Uni nicht von außen festgelegt werden könne – schon gar nicht durch den Bund, der für Hochschulen nicht zuständig sei. „Elite ist man, aber man kann nicht dazu gemacht werden“, hieß eines der beliebtesten Schlagworte, gern gebraucht auch von Universitätsprofessoren, die im Feuilleton über die windige Vermarktung des Elite-Wettbewerbs lästerten: „Deutschland sucht die Super-Uni.“

Trotz aller Kritik versuchten die Länder und jede nur denkbare Hochschule im Elite-Ranking möglichst weit oben zu stehen. Und auch die größten Kritiker entdeckten plötzlich Vorteile der sogenannten Exzellenz-Initiative. Einer der wichtigsten: Durch den Wettbewerb habe der Druck von außen in den Hochschulen sowie zwischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstituten zu einer intensiven Kooperation geführt. Das hängt damit zusammen, dass die Elite-Millionen nur bekommen kann, wer sowohl exzellente Forschungscluster bilden kann als auch Graduiertenkollegs, also spezielle Förderprogramme für Doktoranden. Die Laufzeit der Förderung geht von 2006 bis 2011. Die Ludwig-Maximilians-Universität München erhält zum Beispiel über die Exzellenz-Initiative 27 Millionen Euro pro Jahr.

Allerdings gibt es inzwischen sehr kritische Bewertungen der Initiative. Beanstandet wird, dass keine einzige Universität aus den fünf neuen Ländern in den Genuss des Titels „Elite-Universität“ kommen konnte. Und grundsätzlich wird bemängelt, dass der Förderung der Spitzenforschung ein größerer Stellenwert eingeräumt wird als den Investitionen in die Lehre (Klasse statt Masse). Auch ein eilig verabschiedeter Hochschulpakt 2020 für den Ausbau von Studienplätzen in ganz Deutschland konnte diesen Makel nicht beseitigen – denn der Bund hat für das ganze Programm nur 565 Millionen Euro übrig. Hingegen spendiert er für den Elite-Zuschuss, der maximal zehn Unis zugute kommt, 1,7 Milliarden Euro. Den Differenzbetrag zu den insgesamt 2 Milliarden bezahlen die Bundesländer. Christian Füller

Le Monde diplomatique vom 14.09.2007,