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Das vernünftige Sultanat

In einer unruhigen Region betreibt Oman eine Diplomatie des Ausgleichs

von Alain Gresh

Oman auf der Landkarte zu finden, dürfte den meisten Europäern schwerfallen. Selbst unter Politikern werden nicht viele wissen, dass die Hauptstadt des Landes Maskat heißt. Oder dass Oman kein Mitglied der Vereinigten Arabischen Emirate ist.

Dabei spielt das Sultanat in der unruhigen Golfregion – und darüber hinaus – eine ziemlich aktive Rolle. Wie wichtig es dem Weißen Haus ist, zeigt der Auftritt von US-Außenminister John Kerry, der entgegen allen Gepflogenheiten anlässlich des omanischen Nationalfeiertags am 18. November 2015 in Washington zum Empfang in der Botschaft erschien. Am gleichen Tag feierte Sultan Qabus ibn Said seinen Geburtstag und den 45. Jahrestag seiner Amtsübernahme.

Einige Wochen später willigte der Sultan ein, zehn weitere Gefangene aus Guantánamo aufzunehmen; damit hat Oman seit Januar 2015 insgesamt rund 20 Exhäftlinge übernommen. Auf diese Weise trägt Sultan Qabus dazu bei, dass US-Präsident Barack Obama sein Versprechen, das Offshore-Gefängnis in Kuba zu schließen, vielleicht doch noch erfüllen kann. Diese Hilfe ist umso bemerkenswerter, als Oman das einzige Land des Golfkooperationsrats (GCC) ist, von dem kein einziger Staatsbürger in Guantánamo einsitzt.

Maskat hat kein richtiges Zentrum. Eine Autobahn zieht sich quer durch die Stadt und verbindet die einzelnen Viertel, die zum Teil zig Kilometer auseinander liegen. So zieht sich die Stadt am Wasser entlang, eingekesselt zwischen dem Golf von Oman, der den Indischen Ozean mit dem Persischen Golf verbindet, und dem Hadschar-Gebirge, dessen Ausläufer zum Teil wie gigantische Maulwurfshügel tief in den Stadtraum bis ans Ufer vordringen.

Das Viertel al-Qurum mit seinem Park und einem Naturreservat ist die grüne Lunge von Maskat. In diesem Stadtteil liegt auch die Oper, die 2011 eröffnet wurde. Das Repertoire reicht von „My Fair Lady“ über Massenets „Manon“ bis zu Verdis „Macbeth“. Im April 2016 gastierte die Wiener Staatsoper mit zwei Aufführungen von Massenets „Werther“, es treten allerdings auch arabische Musikgruppen in dem Opern­haus auf, dessen Architektur den persönlichen Wünschen des Sultans entspringt. Alle Neubauten sollen sich dem traditionellen Baustil anpassen, wobei die Farbe Weiß dominiert. Anders als Doha oder Dubai stellt sich Muskat nicht mit einem Panorama aus Wolkenkratzern dar.

Der patriarchalische Sultan dominiert sämtliche Aspekte des politischen Lebens, auch wenn der 75-jährige ­Qabus ibn Said wegen seiner Krebserkrankung häufig für längere Zeit gar nicht im Land weilt. Der heutige Herrscher hatte 1970 seinen Vater gestürzt, einen fortschrittsfeindlichen Mann, der sein Land vor dem Rest der Welt abschirmen wollte. Noch vor 45 Jahren gab es in Oman praktisch keine Schulen. Unterstützung bekam der junge Qabus damals von seinen britischen Pro­tektoren. Auch heute noch hat Großbritannien großen Einfluss in Maskat, obwohl Oman 1980 ein Militärabkommen mit den USA unterzeichnet hat, das seither regelmäßig erneuert wird.

Anfang der 1960er Jahre zettelte die marxistisch-leninistische „Volksfront für die Befreiung Omans“ mit jemenitischer Unterstützung in der südlichen Region Dhofar eine Rebellion an.1 Vom iranischen Schah-Regime militärisch unterstützt, gewann Qabus schließlich 1976 die Kontrolle über das Land zurück. Danach beschloss das Sultanat, freilich unter der permanenten Aufsicht der paternalistischen Führung, einen gemäßigten Modernisierungskurs einzuschlagen.

Für die Beziehungen, die Qabus mit seinen Nachbarstaaten pflegt, lautet die schlichte Formel: „Keine Pro­ble­me.“ Dafür musste das Sultanat über den Verlauf der Landesgrenzen verhandeln und teilweise, etwa gegenüber Saudi-Arabien, auf Territorium verzichten. Für den Frieden könne man ruhig einige Quadratkilometer Wüste opfern, meint ein Geschäftsmann nüchtern: „Unsere Nachbarn werden auch in Zukunft da sein. Die leben ja nicht in Zelten, die man einfach woanders wieder aufschlagen kann.“ Der Sultan wünschte auch, dass sich die Omaner mit dem Nationalstaat identifizieren und ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln, das über regionale oder Stammesloyalitäten hinausgeht. Das ist auch einer der Gründe, warum der Staat Oman keine doppelte Staatsangehörigkeit zulässt.

Unweit der Oper steht das Außenministerium, ein großer Gebäudekomplex, in dem Tausende Beamte sitzen. Generalsekretär Sayyid Badr bin Hamad al-Busaidi hat den Rang eines Ministers. Der 55-jährige al-Busaidi ist Mitglied jener Familiendynastie, die seit 1747 das Land beherrscht. Er trägt eine elegante weiße Dischdascha (Übergewand), einen verzierten Gürtel, in dem der traditionelle Handschar (Krummdolch) steckt, und auf dem Kopf einen grünen Turban.

In fließendem Englisch stellt der einflussreiche Diplomat als Erstes klar, dass die Philosophie der omanischen Außenpolitik vom Sultan definiert wurde, dem „Gründer des modernen Staates“. Dann kommt er auf die Vermittlerrolle seines Landes zu sprechen.2 In diesem Jahr hatte man von Mitte März bis Anfang April Delegierte der verschiedenen libyschen Fraktionen in der Stadt Salalah zu Gast, die versuchen sollten, eine neue Verfassung für ihren Staat auszuarbeiten. Der Minister reiste selbst regelmäßig nach Salalah, um bei den Verhandlungen zu vermitteln. „Natürlich ist noch nicht alles geregelt, aber allein die Tatsache, dass sich die Hauptakteure zusammengesetzt haben, ist positiv“, erläutert al-Busaidi.

Der Minister erinnert auch daran, dass sich sein Land 1977 für das Camp-David-Abkommen zwischen Israel und Ägypten ausgesprochen hat. Er selbst habe sich als einer der ersten arabischen Minister 1995, zwei Jahre nach dem ersten Oslo-Abkommen, mit Jossi Beilin, dem damaligen Vizeaußenminister der Regierung Rabin, getroffen.

In Maskat kann man auch das letzte Überbleibsel der israelisch-arabischen Abkommen besichtigen: das Zentrum zur Erforschung der Meerwasserentsalzung. Dort finden jährlich zwei Treffen statt, an denen nach wie vor Israelis und Palästinenser teilnehmen. In einem Punkt beharrt der Minister indes auf einer Position, die viele arabische und europäische Politiker nicht teilen: Für ihn ist Palästina die „Mutter aller Konflikte in der Region“, aus denen alle anderen Auseinandersetzungen entsprungen seien.

Aufnahmeland für Häftlinge aus Guantánamo

Die Lösung aller Konflikte liegt zu allererst in der Hand der Betroffenen, erläutert al-Busaidi. Äußere Mächte sollten ihre Rolle darauf beschränken, bei der Beilegung der Streitigkeiten zu helfen, und dürften nicht für die eine oder die andere Seite Position beziehen. Die zweite Bedingung sei, Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten strikt abzulehnen. Stattdessen müsste ein Kompromiss gefunden werden, bei dem es weder Sieger noch Besiegte gibt. Sonst staue sich der Groll nur weiter an, und die Konflikte würden früher oder später erneut aufbrechen.

In diesem Sinne hat sich das Sultanat deshalb auch geweigert, der saudisch geführten Militärkoalition im Jemen beizutreten. Mehr noch: Man hat Washington dazu gedrängt, Druck auf Riad auszuüben, um Verhandlungen in Gang zu bringen. Diesem Lösungsansatz stimme mittlerweile auch Saudi-Arabien zu, weil sein militärisches Abenteuer im Nachbarland neuerdings nicht mehr recht vorankommt.

Die außenpolitische „Philosophie“ Omans lässt sich mit einer ­weiteren Episode veranschaulichen. Am 19. September 2015 geriet die omanische Botschaft in Sanaa durch die saudisch geführte Koalition unter Beschuss. Zwar protestierte das Sultanat umgehend und gab seine gewohnte diploma­tische Zurückhaltung auf. Maskat gab sich aber dennoch Mühe, eine verbale Eskalation zu vermeiden, und legte sich auch weiter dafür ins Zeug, die saudischen Geiseln aus den Fängen der ­Huthi-Rebellen zu befreien. Oman ist darin bereits erfahren: Das Sultanat war auch schon vorher bei der Befreiung mehrerer westlicher Geiseln behilflich.

Wenn das Sultanat heute ein wichtiger Partner in der Region ist, dem auch die USA zuhören, liegt das vor allem daran, dass die omanischen Gesprächspartner die politische Landschaft im Jemen genauestens kennen und auch enge Kontakte zu den Stämmen unterhalten, von denen einige mit der al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) verbündet sind. Bemerkenswerterweise hat Washington denn auch Maskat zugesichert, dass die US-Drohnenangriffe im Jemen nicht mehr von US-Militärbasen in Oman aus lanciert werden.3

Das Sultanat möchte nämlich auf keinen Fall in den Konflikt im Nachbarland hineingezogen werden. Zwar bleibt Washington der wichtigste Unterstützer, Maskat ist jedoch bemüht, nicht in einseitige Abhängigkeit zu geraten. Am 14. April verkündete die omanische Presse, das Land habe fünf Verträge mit ausländischen Militärdienstleistern abgeschlossen, darunter drei US-Firmen, ein finnisches Unternehmen und ein türkischer Anbieter.

Ein Blick auf die Landkarte genügt, um das Dilemma der omanischen Re­gio­nal­politik zu verstehen: Das Land liegt eingezwängt zwischen dem mächtigen saudischen Nachbarn im Norden und dem Iran auf der gegenüberliegenden Seite des Persischen Golfs. Dazwischen verläuft die Straße von Hormus. Durch diese strategisch wichtige Meerenge, die zum Teil zur omanischen Hoheitszone gehört, verläuft ein großer Teil des weltweiten Öl- und Gashandels.

Die andere wichtige Determinante der Außenpolitik ist die Religion. Die Omaner sind zwar Araber und Muslime. Sie berufen sich jedoch auf den Ibadismus, eine religiöse Strömung innerhalb des Islam, die das Sunnitentum ebenso ablehnt wie den Schiismus. Mitglieder dieser kleinen Konfession finden sich auch im algerischen M’zab-Tal, auf der tunesischen Insel Dscherba und in Libyen.

Diese Minderheitenzugehörigkeit macht einige Grundzüge der omanischen Außenpolitik verständlich: Einerseits fürchtet man sich vor dem saudischen Wahhabismus, der die Ibaditen als Häretiker betrachtet. Denn mit der Propagierung dieses radikalen Islam will Riad seine regionalen Hegemo­nial­be­strebungen durchsetzen. Andererseits hegt man eine vernunftgeleitete Sympathie für den Iran, im Sinne eine „Verständigung zwischen Minderheiten“. In Oman stellen die Schiiten – vorwiegend Kaufleute – immerhin 5 Prozent der Bevölkerung. Im Unterschied zu den anderen Golfstaaten werden sie in Oman nicht als fünfte Kolonne Teherans betrachtet. Sie können ihren Glauben frei praktizieren und unterhalten eigene Moscheen.

Wie navigiert sich Oman zwischen den gefährlichen Klippen der Regionalpolitik hindurch? Das Sultanat hat stets seine Bereitschaft erklärt, den Iran in die regionale Sicherheitsarchitektur einzubinden. „Schon 1977 haben wir eine regionale Konferenz veranstaltet, an der die späteren Mitglieder des Golfkooperationsrats (GCC), Iran, Jemen und Irak teilgenommen haben“, erzählt Minister al-Busaidi. Das Thema war schon damals eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur.

Die Islamische Revolution im Iran 1979 hat an dieser Denkweise nichts geändert, auch wenn seitdem keine iranischen Soldaten mehr in Oman stationiert sind. Sultan Qabus hat nicht nur die Geheimverhandlungen zwischen Wa­shington und Teheran unterstützt, die am Ende zum Atomabkommen von 2015 führten. Er war auch vehement gegen den Plan des ehemaligen saudischen König Abdallah, den GCC zu einer Union umzubauen.4 Zu diesem Thema meint al-Busaidi: „Zuerst sollten die zahlreichen bereits unterschriebenen Vereinbarungen zwischen den GCC-Staaten umgesetzt werden, vor allem die über mehr Kooperation im Bereich von Wirtschaft und Handel. Wenn dann gewisse Staaten eine Union errichten wollen, werden wir uns dem nicht widersetzen, aber wir werden uns auch nicht beteiligen.“

Das Misstrauen gegenüber den saudischen Plänen, die anderen GCC-Staaten in eine Anti-Iran-Allianz hin­ein­zudrängen, artikuliert auch ein omanischer Intellektueller, der auf die gewundene Diplomatensprache verzichten kann. Er verweist darauf, dass die anderen GCC-Staaten über die omanische Standhaftigkeit gegenüber Riad erfreut waren, weil sie selbst nicht den Mut hatten, den Saudis zu widersprechen.

Allerdings steht es auch um die Beziehungen zwischen Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht zum Besten. Das gilt speziell für das Verhältnis zu Dubai. 2010 erklärte Maskat, die Sicherheitsdienste hätten ein von Dubai finanziertes Spionagenetzwerk aufgedeckt, das zum Ziel hatte, politische Veränderungen im Sultanat herbeizuführen, sprich: einen Staatsstreich vorzubereiten. Die Rivalität mit Dubai kommt auch darin zum Ausdruck, dass Maskat gern an die Zeiten erinnert, da die Emirate zum omanischen Sultanat gehörten.

Im Gegensatz zu den Nachbarländern hat Oman mit seiner langen Küste am Indischen Ozean eine reiche Vergangenheit, worauf sich die Omaner auch gern berufen. Zum Beispiel mit dem Hinweis, dass bereits der französische König Ludwig XIV. in seinen Verhandlungen mit Persien das Land erwähnt hat. Nachdem sich die Region Mitte des 17. Jahrhunderts vom portugiesischen Einfluss befreit hatte, dehnte sich das omanische Sultanat über Teile der ostafrikanischen Küste bis nach Sansibar aus. Seine Blütezeit erlebte es im 18. Jahrhundert unter dem Gründer der bis heute herrschenden Dynastie Ahmad ibn Said, deren Einfluss damals bis nach Belutschistan reichte.

Auch heute liegt das Augenmerk des Sultanats auf dem Indischen Ozean.5 Der große Zukunftstraum ist die Entwicklung zu einem wichtigen Handelszentrum. Über den neuen Hafen in Duqm am Indischen Ozean (siehe Karte) könnte das Öl der Golfstaaten exportiert werden, ohne dass die Tanker die gefährliche Straße von Hormus durchfahren müssten. Doch dieser Traum, mit dem das Sultanat an seine maritime Tradition anknüpfen würde, hängt vom Willen seiner Nachbarn ab – und vor allem von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese zeigen jedoch keine besondere Neigung, ihre Ressourcen über den Hafen des Sultanats zu exportieren, zumal sie das als Geschenk an einen Nachbarn empfinden, der sehr auf seine Unabhängigkeit bedacht ist und den Emiraten im Norden mit Misstrauen begegnet.

Ein weiteres Problem ist der saudische Religionsexport: „Es wäre naiv, zu glauben, dass sich der Salafismus von ganz allein ausbreitet, ohne staatliche Unterstützung“, meint unser Gesprächspartner. „Er wird durch die politische Führung in Riad gefördert. Man muss sich nur die Predigten der saudischen Scheichs anhören, diese ständigen Aufrufe zum Dschihad. Damit soll unter dem Deckmantel der Reli­gion vor allem die saudische Hegemonie gestärkt werden.“

Angesichts der sich laufend beschleunigenden Ausbreitung des sunnitischen Radikalismus – vor allem über die sozialen Netzwerke in Saudi-Arabien, wo die Ibaditen als „Ungläubige“, „Lakaien des Iran“ oder „Hunde“ diffamiert werden – verstärkt der omanische Staatsapparat die Überwachung sämtlicher oppositionellen Aktivitäten innerhalb des Landes.

Das Ministerium für religiöse Angelegenheiten beschäftigt 6000 Beamte – die Imame, die Predigten und soziale Netzwerke überwachen, nicht mitgezählt. Offiziell sind 75 Prozent der Bevölkerung Ibaditen, 20 Prozent Sunniten und 5 Prozent Schiiten. Die meisten ausländischen Beobachter in Maskat gehen jedoch davon aus, dass es heute fast schon genauso viele Sunniten wie Ibaditen gibt.

In den Moscheen des Landes beten Ibaditen Seite an Seite mit Sunniten. Der Sultan ernennt den Mufti (den obersten Rechtsgelehrten des Landes), der wiederum die Religionsausübung überwacht. Die Ausbildung der Imame wird von Ibaditen und Sunniten gemeinsam organisiert. Aber niemand hat vergessen, dass die Bewohner der Region Dhofar, von wo die Rebellion in den 1960er Jahren ausging, überwiegend Sunniten sind, die sich teilweise von Maskat im Stich gelassen fühlen.

Den omanischen Polizeiapparat, der ursprünglich von den Briten aufgebaut wurde, bezeichnen alle westlichen Beobachter als sehr effizient. Seine Hauptaufgabe ist die Terrorbekämpfung, aber darüber hinaus wird jegliche Form von Protest streng überwacht. Mit eindrucksvollem Resultat: Die Zahl der Omaner, die sich dem „Islamischen Staat“ oder al-Qaida angeschlossen haben, liegt unter einem Dutzend. Andererseits sind bei den Protesten, die im Februar 2011 während des Arabischen Frühlings stattfanden, zwei De­mons­tran­ten getötet worden. Dass Jugendliche auch in Oman auf die Straße gingen, war ein klares Warnsignal für ein Land, in dem nahezu ein Drittel der Bevölkerung von 2,3 Millionen jünger als 15 Jahre alt ist und große Probleme hat, einen Job zu finden.

Zudem ist der Oman als Öl- und Gasproduzent vom Verfall der Energiepreise betroffen. Das Haushaltsdefizit lag 2015 bei rund 11,5 Milliarden US-Dollar. Hilfe von den anderen Golfstaaten lehnt das Sultanat dennoch ab. Noch ist die Lage im Lande stabil. Doch wenn Sultan Qabus demnächst seiner Krankheit erliegen sollte, könnten schwierige Zeiten bevorstehen. Zumal der greise Herrscher keinen Sohn hat und die Nachfolge zwischen seinen drei Neffen ­umstritten ist.6

1 Von dieser Rebellion handelt der Dokumentarroman „Warda“ des ägyptischen Schriftstellers Sonallah Ibrahim, französische Ausgabe: Paris (Acte Sud) 2002; siehe auch: Fred Halliday, „Arabia without Sultans“, London (Penguin) 1974.

2 Marc Valeri, „Oman’s mediatory efforts in regional crisis“, Norwegian Peacebuilding Resource Center (Noref), März 2014: www.peacebuilding.no/var/ezflow_site/­storage/original/application/c3f2474284d7aaeadeb­5a­8429ef64375.pdf.

3 Die USA unterhalten drei Militärbasen in Oman, darunter den Flughafen Thumrait in der Region Dhofar an der Grenze zum Jemen.

4 Siehe Marc Cher-Leparrain, „Fronde d’Oman con­tre l’Arabie saoudite“, OrientXXI.info, 22. Januar 2014.

5 In Oman leben im Übrigen 700 000 indische Arbeitskräfte.

6 Siehe Marc Valeri, „Succession incertaine à Oman“, Orient XXI.info, 20. November 2014.

Aus dem Französischen von Jakob Farah

Alain Gresh ist ehemaliger Chefredakteur von Le Monde diplomatique, Paris, und gibt heute das Onlinemagazin Orient XXI heraus.

© Le Monde diplomatique, Berlin

Le Monde diplomatique vom 12.05.2016, Alain Gresh