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Ausgabe vom 13. August 2015

Schäubles Gehäuse

Geschichte und Wirkmacht der ordoliberalen Denkschule

von François Denord, Rachel Knaebel, Pierre Rimbert

"Wenn noch jemand einen Beleg brauchte, wie gefährlich Volksentscheide für die Funktionsfähigkeit moderner Demokratien sind, hier ist er erbracht”, wetterte Roland Nelles auf Spiegel Online am 6. Juli 2015 nach dem Ausgang des griechischen Referendums. Die Schockstarre, die das griechische Nein in Deutschland auslöste, rührt von dem Frontalzusammenstoß zweier wirtschaftlicher und politischer Weltanschauungen.

Die eine, die auch der Referendumsidee zugrunde liegt, beruht auf einer genuin politischen Auffassung von Regieren: Die Stimme des Volkes hat Vorrang vor den Regeln der Buchhaltung; eine gewählte Regierung kann die Regeln auch ändern. Der andere Ansatz bindet das Regierungshandeln strikt an die festgelegten Regeln. Die Politiker können handeln, dürfen aber diesen Rahmen nicht verlassen, der de facto durch demokratische Verfahren nicht infrage gestellt werden darf. Eben diese Geisteshaltung verkörpert Finanzminister Schäuble. Für ihn sind die Regeln göttliche Gesetze, wie sein Exkollege Varoufakis bemerkt hat.

Diese „deutsche Ideologie” hat einen Namen: Ordoliberalismus. Wie die angelsächsischen „Laissez faire”-Verfechter sind auch die Ordoliberalen strikt dagegen, dass der Staat dem Markt die Hände bindet. Aber anders als Erstere gehen die Ordoliberalen davon aus, dass sich die gelobte freie Konkurrenz nicht naturwüchsig entfaltet. weiterlesen ...

Inhalt

  • Wer kämpft für den Islamischen Staat?
    von Patrick Cockburn
  • Das System Fifa
    Die Korruption ist rund von Stefan Kühl
  • Brief aus Graz
    von Norbert Mappes-Niediek
  • Kunde statt Bürger
    von Colin Crouch
  • Im Land der sechs Staatsreligionen
    Muslime, Christen und Buddhisten sprechen über ihr Indonesien von Daniele Godor
  • Unsere lieben Neandertaler
    Früher galt der Steinzeitmensch als brutal und kriegslüstern. Das sehen Paläoanthropologen heute anders von Marylène Patou-Mathis
  • Bilder extremer Gewalt
    In Mexiko herrschen Mord und Folter.Ein bedrohter Journalist fordert uns auf, genau hinzusehen. von Sergio González Rodríguez
  • Fetter als McDonal d ’s
    Mit Gourmetkaffee und pseudogesunden Sandwiches wollen Starbucks und Subway das miese Image der Fast-Food-Branche loswerden von Benoît Breville
  • Armut macht schüchtern
    Aufzeichnungen aus einem französischen Dorf, 1945 von Roger Vailland
  • Das Europa, das wir nicht mehr wollen
    von Serge Halimi
  • Schäubles Gehäuse
    Geschichte und Wirkmachtder ordoliberalen Denkschule von François Denord, Rachel Knaebel, Pierre Rimbert
  • Comic - Thoka Maer
  • Kunst - Laula Fritz​

Die nächste Ausgabe erscheint am 10. September 2015

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Karte des Monats

Comic | Thoka Maer

Kunst | Laula Fritz