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Ausgabe vom 7. Mai 2015

Brief aus Riga

von Thomas Taterka

Der alte Strom, die Düna, ist nicht wegzudenken aus den Geschicken unseres bescheidenen Landstrichs am südöstlichen Ufer der Ostsee, hoch oben, weit rechts auf der Karte Europas. Es ist der Strom, auf dem im Hochmittelalter Deutsche von der Ostsee her die baltischen Lande aufsegelten. Sie machten sie damit zur "ältesten deutschen Kolonie", wie man ihnen sehr viel später nachrühmen sollte: Kaufleute mit ihren Waren, Kleriker mit ihren Wahrheiten, Kreuzfahrer mit ihren Waffen.

Zum "Schicksalsfluss des lettischen Volkes" freilich, wie der Ehrenname der Düna lautet, wurde der Strom erst viel später. Dass er dazu wurde, hat weniger mit ihm selbst zu tun als mit dem lettischen Nationalmythos. Da dieser Mythos ein Kind des 19. Jahrhunderts ist, lässt sich seine Verfertigung gut beobachten. Im Jahr 1856 übertrug Juris Alunans, ein deutsch sozialisierter, aber nationallettisch gesinnter Student, Heines "Loreley" ins Lettische. Seine wunderbar eingängige und sonst treue Übertragung ersetzt im Vers "Und ruhig zieht der Rhein" den deutschen Strom durch die "Daugava", wie die Düna auf Lettisch heißt. weiterlesen ...

Inhalt

  • Warum Dublin und Lissabon keinen Tsipras haben
    von Renaud Lambert
  • Bewegte Jugend
    Protest und Musik in Senegal von Jacques Denis
  • Brief aus Riga
    von Thomas Taterka
  • gestern in LMd heute in den Nachrichten
  • Boden gut machen
    Ein Wasserwirtschaftler aus Hamburg arbeitet unermüdlich daran, Scheiße in Humus zu verwandeln – das klappt tatsächlich von Elisabeth von Thadden
  • REPORTER OHNE GRENZEN FÜR PRESSEFREIHEIT Meldungen des Monats
  • Der Fall Gazprom
    Russlands Energiegigant auf der Suche nach neuen Märkten von Catherine Locatelli
  • Kuba konvertierbar
    Nach 50 Jahren Embargo muss sich die sozialistische Republik neu erfinden von Janette Habel
  • Als Hausmädchen in Hongkong
    von Alexia Eychenne
  • Einmal blauen Himmel und weiße Wolken sehen
    Der Lebensstil der chinesischen Mittelschicht und seine Folgen von Shi Ming
  • Brennglas Jemen
    von Akram Belkaïd
  • Neue Perspektiven für Teheran
  • Khamenei neben Elvis
    Die politischen Bilderwelten des Iran und ihre verborgenen Botschaften von Charlotte Wiedemann
  • Neuerdings kreditwürdig
    Immer mehr Staaten südlich der Sahara können sich Geld auf den internationalen Kapitalmärkten beschaffen von Sanou Mbaye
  • Netzwerken in Nigeria
  • Ausfegen in Burkina Faso
  • Einmal Harki, immer Harki
    Die Algerier, die im Unabhängigkeitskrieg auf der Seite Frankreichs standen, sind bis heute heimatlos im eigenen Land von Pierre Daum
  • Mein erster Job im Jobcenter
    Eine Kurzgeschichte von Mustapha Belhocine
  • Vom Scheitern der Mitte
    Ein Blick auf die französische und internationale Politik von Serge Halimi
  • Comic - Barbara Yelin
  • Kunst - Federico Herrero

Die nächste Ausgabe erscheint am 11. Juni 2015

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Karte des Monats

Comic | Barbara Yelin

Kunst | Jaber Al Azmeh