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Ausgabe vom 13. Juli 2017

Die toten Häuser von London

Die Brandkatastrophe im Grenfell Tower ist Symptom einer jahrzehntelang verfehlten Wohnungspolitik in London. Die zielt einzig darauf ab, möglichst viel Geld in die Stadt zu holen und möglichst wenig auszugeben - etwa für den sozialen Wohnungsbau.

von Rowland Atkinson

Als das Feuer den Grenfell Tower, einen 24-geschossigen Sozialbau in einem der wohlhabenden Stadtteile Londons, zerstört hatte, gaben Regierungsmitglieder mit sichtlichem Unbehagen Erklärungen dazu ab. Sie sind schließlich für die immer neuen Kürzungen bei den öffentlichen Dienstleistungen verantwortlich, die mit zu der Katas­trophe beigetragen haben.

Der Hochhausbrand illustriert die Folgen einer ideologischen Fixierung auf Einsparungen bei der Gebäudesicherheit, die dann - unter anderem - zur Verwendung von offenbar feuergefährlichen Dämmplatten geführt haben. Angesichts der mindestens 80 Toten sind viele Bürger nicht nur wütend und traumatisiert, sondern sie beginnen auch, die politischen und ökonomischen Entscheidungen zu hinterfragen, die möglichst geringe Ausgaben erzwingen. Zunehmend drängt sich der Eindruck auf, dass in einer Stadt, die immer mehr für die Reichen da ist, ärmere Menschen kaum noch eine Rolle spielen. Haushaltskürzungen bei den Kommunen und öffentlichen Dienstleistungen sowie bürokratische Sicherheitsbestimmungen bilden in Verbindung mit der starken sozialen Ungleichheit eine brisante Gemengelage mit weitreichenden politischen Folgen.
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Inhalt

  • Die toten Häuser von London
    Die Brandkatastrophe im Grenfell Tower ist Symptom einer jahrzehntelang verfehlten Wohnungspolitik in London. Die zielt einzig darauf ab, möglichst viel Geld in die Stadt zu holen und möglichst wenig auszugeben – etwa für den sozialen Wohnungsbau. von Rowland Atkinson
  • Täglich Tomate
    Globaler Einheitsbrei in Dosen von Jean-Baptiste Malet
  • Brief vom Amazonas
    von Sandra Weiss
  • Von Mönchen und Managern
    von Pierre Musso
  • Lächerliche Wahlen
  • Katar und seine Nachbarn
    Der Boykott Katars durch Saudi-Arabien und dessen Unterstützer hat verschiedene Ursachen und eine lange Vorgeschichte. Die Saudis demonstrieren damit ihren hegemonialen Anspruch in der ganzen Region – und den Willen zur Konfrontation mit Teheran. von Fatiha Dazi-Héni
  • An der irischen Grenze
    Im kleinen Dorf Pettigo gab es früher eine Zollstation –niemand will sie wiederhaben von Susan McKay
  • Arlene Foster und die Krokodile
  • Ewiges Grün, braune Flüsse
    Chinas ökologische Wende –von oben verordnet, von unten erkämpft von Guillaume Pitron
  • In der roten Kammer von Jintudi Foodstuff
    von Jean-Baptiste Malet
  • Amerikanische Krankheit
    Nirgendwo ist die Gesundheits­versorgung so teuer wie in den USA. Während die Republikaner Obamacare abschaffen wollen, gibt es in manchen Bundesstaaten nun Pläne für eine öffentliche Krankenkasse. von Chase Madar
  • Aufstand in Al-Hoceïma
    In Marokko fordern junge Demonstranten seit Wochen konkrete Verbesserungen für die Rif-Region von Aboubakr Jamaï
  • Wahrheit für Tunesien
    Die junge Demokratie versucht, staatliche Verbrechen aus sechzig Jahren aufzuarbeiten von Thierry Brésillon
  • Die bescheidene Revolution
    Die indigene Selbstverwaltung im mexikanischen Chiapas ist ein Prozess, der schon über 20 Jahre dauert. Nun hat er eine neue Richtung genommen. Eine Frau aus dem Volk der Nahua, María de Jesús Patricio Martínez, tritt als erste indigene Präsidentschaftskandidatin an. Subcomandante Marcos, der Mann mit der Maske, ist in den Hintergrund getreten. von François Cusset
  • Comic - Nicolas Debon
  • Kunst - Jörg Sasse

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Comic | Nicolas Debon

Kunst | Jörg Sasse