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Ausgabe vom 12. April 2018

Gefühlte Korruption

In Zentral- und Osteuropa grassiert die Korruption - so könnte man meinen. In Wahrheit hat die Transparenz bei der Vergabe öffentlicher Aufträge zugenommen. Aber was bleibt, ist der Eindruck, dass sich die Eliten bereichern. Die Rechtspopulisten sind offenbar die Einzigen, die das Unbehagen zu nutzen wissen.

von Benjamin Cunningham

Bei den tschechischen Parlamentswahlen im Oktober 2017 hat Andrej Babi¨ mit seiner ANO-Partei das politische Establishment beiseitegefegt. Ba­bi¨ ist Milliardär, Großunternehmer und Medienmogul. Das Akronym ANO steht für "Bewegung der unzufriedenen Bürger" (Tschechisch: Akce nespokojených občanů), bedeutet aber auch schlicht "Ja".

Bei der Gründung seiner Partei 2011 behauptete Babi¨, er sei als Außenseiter und erfolgreicher Geschäftsmann bestens qualifiziert, um die korrupte politische Elite zu ersetzen. Er verwies, ähnlich wie 2001 Michael Bloomberg bei seiner Wahl zum New Yorker Bürgermeister, auf seine Kompetenz, seine Effizienz - und die Tatsache, dass ein steinreicher Mann wie er es nicht nötig habe, sich im Amt zu bereichern. "Ich bin kein Gauner", sagte er in einem Interview vor den Wahlen. Auf die Frage: "Und die anderen sind alle korrupt?", hatte er eine klare Antwort: "Ja."
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Inhalt

  • Gefühlte Korruption
    In Zentral- und Osteuropa grassiert die Korruption – so könnte man meinen. In Wahrheit hat die Transparenz bei der Vergabe öffentlicher Aufträge zugenommen. Aber was bleibt, ist der Eindruck, dass sich die Eliten bereichern. Die Rechtspopulisten sind offenbar die Einzigen, die das Unbehagen zu nutzen wissen. von Benjamin Cunningham, Alexandra Mostyn
  • Für alles eine Pille
    Der Fluch der Psychopharmaka von Gérard Pommier
  • Ungeheuer amerikanisch
    von Thomas Meaney, Stephen Wertheim
  • Mit Dschihadisten verhandeln?
    von Charlotte Wiedemann
  • Lizenz zum Töten
    von Serge Halimi
  • Wo die Steuern Reiche noch reicher machen
    Die meisten Regierungen in Lateinamerika betreiben eine fiskalische Umverteilung von unten nach oben von Bernard Duterme
  • Die Biegsamkeit der Postideologen
    Die Fünf-Sterne-Bewegung in Italien kultiviert so geschickt wie keine andere Partei in Europa ihr „Weder rechts noch links“-Image. Bislang profitiert der M5S von seinen Kurswechseln, auf Dauer ist dieses Lavieren schwer durchzuhalten. von Luca Manucci
  • Corbyn in Uxbridge
    Krise der Sozialdemokratie? Nicht in Großbritannien: Innenansichten aus der mitgliederstärksten Partei Europas von Allan Popelard, Paul Vannier
  • Australien wird chinesischer
    Mit Investitionen in Farmen, Wohnungen und Politiker schafft das Kapital aus China Fakten von Urs Wälterlin
  • Erdoğans Ultranationalisten
    Nachdem der türkische Präsident die Gülen-Anhänger verstoßen hat, braucht er neue Wähler. Die sollen nun von rechts außen kommen von Akram Belkaïd
  • Alltag in Angst
    von Pierre Puchot
  • Im kaukasischen Teufelskreis
    von Anne Le Huérou, Aude Merlin, Régis Genté, Arthur Clech
  • Kampf zweier Linien in Burkina Faso
    Seit dem Sturz von Präsident Compaoré streiten die alten marxistischen Gewerkschafter mit den jungen Leuten von den vielen neuen Vereinen von Rémi Carayol
  • Katholiken gegen Kabila
    In der Demokratischen Republik Kongo führen Bischöfe die politische Opposition an von François Misser
  • Der verkannte Klassenkämpfer Martin Luther King
    von Sylvie Laurent
  • Das Recht auf das, was alle brauchen
    Die französische Regierung versucht wieder einmal, Liberalisierungen durchzusetzen, die Gewerkschaften machen dagegen mobil – Zeit für eine neue Idee von Pierre Rimbert
  • Das zivilisierteste Verkehrsmittel der Welt
    von Benoît Duteurtre
  • Comic - Max Baitinger
  • Kunst - Gohar Dashti

Die nächste Ausgabe erscheint am 10. Mai 2018

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