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Auf dem G-20-Gipfel im türkischen Antalya am 15. und 16. November behauptete der russische Präsident Putin, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) werde von 40 Ländern finanziert, zu denen auch Mitglieder der G 20 gehörten.

Das selbsternannte Kalifat bezog seine Geldmittel anfangs aus Kuwait, Saudi-Arabien und Katar. Sie stammten aus Spenden vor allem von Mitgliedern der herrschenden Familien, die für die syrische Opposition und die irakischen Sunniten bestimmt waren. Inzwischen hat der IS seine Geldquellen diversifiziert.

Im Gefolge seiner Terror- und der Einschüchterungskampagnen erhebt der IS aber auch systematisch Lösegeldforderungen; das entsprechende Erpressungsnetzwerk erstreckt sich mittlerweile über mehrere Länder.

Es waren jedoch vor allem die territorialen Eroberungen, mit denen die Dschihadisten ihre Kriegskasse auffüllen konnten. Bei der Einnahme der zweitgrößten irakischen Stadt Mossul im Juni 2014 erbeuteten sie einen Teil der Reserven der irakischen Zentralbank; der Generalgouverneur von Mossul geht von 430 Millionen Dollar aus.

Der IS verfügt aber auch über eigene unabhängige Geldquellen, weil er in den von ihm beherrschten Gebieten Steuern eintreibt. Im Irak und Syrien kontrolliert er heute ein Gebiet, das etwa halb so groß ist wie Frankreich und rund 10 Millionen Einwohner hat. Hier befinden sich auch die syrischen Ölfelder und andere natürliche Ressourcen (Erdgas, Phosphat, Getreide). Über Schmuggelrouten, von denen die meisten schon seit dem Irak-Embargo in den 1990er Jahren funktionieren, werden das Öl und viele andere Güter (wie das Eigentum von Bewohnern besetzter Städte) im Ausland abgesetzt, vor allem über die benachbarte Türkei. Die Produkte werden unterhalb marktüblicher Preise verkauft und finden deshalb immer Abnehmer.

Die Einnahmequellen des IS sind also bekannt, doch die genauen Summen aus diesen Quellen sind umstritten und werden teilweise maßlos übertrieben. Das US-Finanzministerium schätzt die Erträge aus dem Ölexport auf 500 Millionen Dollar pro Jahr. Zusammen mit den Einnahmen durch sonstigen Schmuggel, Steuern, Wegzölle und diverse Formen der Erpressung belaufen sich die jährlichen Einnahmen nach Angaben des IS selbst auf 2 Milliarden Dollar, schreibt die Journalistin Kathy Gilsinan in The Atlantic vom 23. November.

Um seine politisch-religiöse Legitimität zu stärken und seinen Einfluss auf die kontrollierten Gebiete auszuweiten, hat der IS im November 2015 begonnen, in seinem selbsternannten Kalifat Geldmünzen zu prägen: den „Islamischen Dinar“ aus Gold und den „Islamischen Dirham“ aus Silber.⇥I. W.

Le Monde diplomatique vom 10.12.2015